DAX bricht Rekordhoch
Der DAX notiert am Donnerstag bei 26.569,30, nur 0,24% bzw. 65,20 Punkte unter dem Vortagesschluss. Nach einem starken Anstieg um 3,18% am Mittwoch hat der deutsche Leitindex die 26.000er-Marke klar hinter sich gelassen und hat das Allzeithoch heute bis auf 26.672 erweitert.
Auch der Stoxx Europe 600 legt um 0,53 Prozent auf 660,91 Punkte zu, der CAC 40 gewinnt 0,62 Prozent auf 8.228,83 Punkte und der FTSE 100 steigt um 0,80 Prozent auf 10.915,52 Punkte.
Gewinner und Verlierer
Der Markt rotiert weiterhin. Banken, erneuerbare Energien und zyklische Verbraucherwerte profitieren von der verbesserten Risikostimmung, während Verteidigungswerte und Teile der Halbleiterbranche unter Druck bleiben.[
- Deutsche Bank stieg am Vortag um 5,88 Prozent und war einer der wichtigsten Treiber der Bankenrallye.
- BMW legte um 5,50 Prozent zu, während weitere deutsche Autowerte wie Mercedes-Benz und Porsche stark nachzogen.
- Fresenius, Fresenius Medical Care, Commerzbank, Allianz und Bayer gewannen jeweils zwischen 4 und 6 Prozent.
- SAP, Volkswagen, Deutsche Telekom, Siemens Healthineers, BASF und Siemens zogen um 2 bis 4 Prozent an.
- Siemens Energy fiel dagegen um mehr als 7 Prozent, während Hochtief um 4,7 Prozent und Infineon um 3,3 Prozent nachgaben.
- Rheinmetall steht heute unter besonders starkem Druck und verliert mehr als 16 Prozent, nachdem der deutsche Rüstungskonzern seine Ausblicke für 2026 gesenkt hat.
Die Schwäche bei Rheinmetall zeigt, dass der Markt die möglichen Auswirkungen einer demokratischen Kongressmehrheit auf die US-Verteidigungsausgaben ernst nimmt. Dennoch bleiben die strukturellen Treiber des europäischen Verteidigungssektors – höhere Verteidigungsbudgets, Nachrüstungsbedarf und geopolitische Unsicherheit – intakt.
US-Wahlen: Entlastung statt Unsicherheit
Die klare Mehrheit der Demokraten in beiden Kammern des US-Kongresses hat die anfängliche Nervosität in eine Relief-Rallye verwandelt. Anleger preisen nun weniger legislatives Chaos, eine geringere Gefahr politischer Blockaden und mögliche Fortschritte bei einer Deeskalation im Nahen Osten ein.
Der S&P 500 schloss am Vortag 1,6 Prozent höher, während europäische Aktien ein Zweimonatshoch erreichten. Der Stoxx Europe 600 stieg um 1,86 Prozent und liegt nur noch etwa einen halben Prozentpunkt unter seinem Allzeithoch.
Besonders stark waren Banken. Anleger erwarten weniger Druck aus Washington auf europäische Kreditinstitute und bewerten die Branche neu. Gleichzeitig profitieren erneuerbare Energien von der Erwartung günstigerer Klimapolitik: Ørsted stieg um fast 5 Prozent, Vestas um knapp 4 Prozent und Nordex um rund 6 Prozent.
Der Kompromiss liegt bei Technologie und Halbleitern. Die Sorge über eine möglicherweise langsamere Expansion von KI-Rechenzentren in den USA bleibt bestehen, weshalb Chipwerte und energieintensive Infrastrukturaktien unter Druck bleiben.
Technisches Bild: DAX bei Allzeithoch
Technisch befindet sich der DAX in einer sehr konstruktiven Position. Der Index hat die 26.000er-Marke nicht nur zurückerobert, sondern auch ein neues Allzeithoch bei 26.670 generiert.
- Wichtigste Unterstützung: 26.448 Punkte, das heutige Intraday-Tief.
- Zweite Unterstützung: 26.437 Punkte, der Schlusskurs vom Mittwoch.
- Psychologische Unterstützung: 26.500 Punkte.
- Sofortiger Widerstand: 26.672 Punkte, das neue Tageshoch und Allzeithoch.
Solange der DAX über 26.448 Punkten bleibt, hat die Erholung die Oberhand. Ein Ausbruch über 26.672 Punkte würde das Momentum bestätigen und den Weg für einen neuen Angriff auf das Allzeithoch freimachen.
Ausblick auf den Handelstag
Der Fokus verschiebt sich nun von der Wahlreaktion zur Frage, ob die Rallye fundamental getragen werden kann. Sinkende Ölpreise, niedrigere Bondrenditen und starke Unternehmenszahlen haben die Stimmung verbessert; nun müssen weitere Ergebnisse und Makrodaten diese Erwartungen bestätigen.
Für den DAX ist der Handelstag ein Test der Ausbruchskraft. Bleibt der Index über 26.500 Punkten, ist das bullische Setup weiter intakt. Ein Rückfall unter 26.448 Punkte würde hingegen eine kurzfristige Konsolidierung auslösen, ohne den mittelfristigen Aufwärtstrend automatisch zu gefährden.
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Philip J Papageorgiou - Head of Investment Research
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