Hedging ist eine gängige Praxis auf den Finanzmärkten, die in der Regel von Unternehmen und Fonds durchgeführt wird. Für Einzelhändler und Anleger ist es jedoch wichtig, das Konzept zu verstehen, um Marktbewegungen zu analysieren und das Beste aus ihrer Zeit an den Märkten herauszuholen.
Hedging ist eine bewährte Strategie, um finanzielle Risiken zu minimieren und sich gegen Marktunsicherheiten abzusichern. In diesem Leitfaden erfahren Sie alles Wissenswerte rund um das Thema Hedging. Sie lernen die Grundlagen von verschiedenen Absicherungsinstrumenten sowie praxisnahen Strategien.
Hedging im Handel - Definition
Hedging ist eine Methode zur Risikominderung beim Handel, bei der eine oder mehrere Positionen eröffnet werden, die einen bestehenden Handel ausgleichen. Durch Hedging lässt sich das Risiko zwar nicht vollständig ausschließen, aber es kann Verluste auf einen bekannten Betrag begrenzen.
In der Regel wird eine zusätzliche Position in einem Markt eröffnet, der in einem negativen Verhältnis zur bestehenden offenen Position steht. Alternativ kann sie auch im selben Markt, jedoch in entgegengesetzter Richtung, platziert werden. Dieses Vorgehen wird als direkte Absicherung bezeichnet.
Hedging ist an den meisten Märkten möglich, wird aber am häufigsten beim Devisen-, Rohstoff- und Aktienhandel angewandt.
Hedging ist beliebt, weil es dazu beiträgt, ein Anlageportfolio vor ungünstigen Marktbewegungen zu schützen. Viele langfristig orientierte Anleger machen sich nicht unbedingt Gedanken über die Auswirkungen kurzfristiger Rückgänge ihres Vermögens, sondern konzentrieren sich auf den längerfristigen Trend. Einige Anleger sehen jedoch in der Absicherung eine Möglichkeit, die Auswirkungen von Verlusten zu begrenzen.
Das Absichern einer Position wird oft mit dem Abschluss einer Versicherung verglichen, da dabei zusätzliche Kosten anfallen, um sich gegen mögliche Verluste abzusichern. Tritt das negative Ereignis ein, sind die Verluste begrenzt. Bleibt es jedoch aus, ist der potenzielle Gewinn reduziert, da die Kosten für die „Versicherung“ von den Erträgen abgezogen werden.
Warum ist Hedging wichtig?
Ein Verständnis für Hedging ist wichtig, da große Unternehmen und Investmentgesellschaften diese Strategie regelmäßig nutzen. Wer die Grundlagen kennt, kann deren Entscheidungen besser analysieren und möglicherweise in die eigene Anlagestrategie einfließen lassen.
Für einzelne Händler und Anleger spielt Hedging oft keine große Rolle. Viele bevorzugen es, ihre Positionen zu schließen, bevor die Verluste zu hoch werden oder halten sie einfach, bis der Markt sich wieder erholt.
Hedging Strategien
Bei allen Hedging-Strategien kommen in der Regel Derivate zum Einsatz, d. h. Produkte, deren Preis sich vom zugrunde liegenden Markt ableitet, ohne dass der betreffende Vermögenswert gekauft oder verkauft werden muss.
Zu den gängigen Absicherungsstrategien gehören:
- Hedging mit CFDs
- Hedging mit Futures
- Hedging mit Optionen
1. Hedging mit CFDs
CFDs sind ein sehr beliebtes Hedging-Instrument, da Sie etwaige Verluste mit Gewinnen steuerlich verrechnen können. Das Produkt hat aber noch viele weitere Vorteile, wie z. B.:
- Sie haben kein Verfallsdatum und eignen sich daher perfekt für eine längerfristige Absicherung
- Sie sind gehebelt, d.h. Sie können eine Position bereits mit einer geringen Ersteinlage eröffnen. Die Hebelwirkung kann zwar die Gewinne vergrößern, aber auch die Verluste - daher ist eine Risikomanagementstrategie erforderlich
- Sie können für den Handel mit steigenden und fallenden Märkten verwendet werden und ermöglichen es Ihnen, eine bestehende Long-Position mit einer Short-Position abzusichern
- Sie spiegeln den zugrundeliegenden Markt direkt wider, so dass Sie immer das Verhältnis zwischen Ihrer Absicherung und dem bestehenden Handel kennen
Die Positionsgröße kann leicht geändert werden, um Ihren bestehenden Handel zu replizieren. Andere Hedging-Tools haben oft standardisierte Größen, die dies erschweren können.
Erfahren Sie mehr über den CFD-Handel
CFD Hedging Beispiel
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen 500 Aktien des Unternehmens XYZ. Obwohl Sie langfristig an das Unternehmen glauben, erwarten Sie, dass kurzfristig negative Nachrichten den Aktienkurs unter Druck setzen könnten. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder lassen Sie den Markt einfach laufen und akzeptieren vorübergehende Kursverluste in der Hoffnung auf eine spätere Erholung, oder Sie sichern sich mit einer Short-Position über CFDs ab.
Angenommen, Sie eröffnen eine Short-Position mit 500 XYZ-CFDs, die Ihr bestehendes Aktienrisiko ausgleicht. Da CFDs mit Hebelwirkung gehandelt werden, benötigen Sie nur eine geringe Kapitalreserve, anstatt das gesamte Risiko selbst zu tragen. Sinkt der Aktienkurs von XYZ, können Sie Ihre CFD-Position schließen und den Gewinn realisieren, um den Verlust Ihrer Aktienposition zumindest teilweise auszugleichen. Steigt der Aktienkurs jedoch unerwartet, entsteht durch die CFD-Position ein Verlust, der die Gewinne Ihrer Aktienanlage schmälern oder sogar vollständig aufzehren könnte.
Eine weitere verbreitete Absicherungsstrategie sind Terminkontrakte, die häufig von Produktionsunternehmen genutzt werden, um zukünftige Preise für ihre Produkte zu fixieren. Diese ermöglichen es, bereits im Voraus einen Preis für ein bestimmtes Datum festzulegen. Während Unternehmen in der Regel physische Waren darüber handeln, können Futures auch in bar abgerechnet werden, was sie für spekulative Zwecke nutzbar macht.
2. Hedging mit Futures Beispiel
Ein anderes Beispiel: Ein Maisanbauer muss seine Ernte in drei Monaten einfahren. In der Zwischenzeit ist der Landwirt dem Risiko ausgesetzt, dass der Maispreis bis zum Zeitpunkt der Ernte fällt.
Um dieses Risiko zu mindern, verkauft der Landwirt einen dreimonatigen Terminkontrakt zum aktuellen Marktpreis von 7 € pro Scheffel. Dies wäre eine Terminabsicherung.
Nach drei Monaten ist der Marktpreis auf 5 € pro Scheffel gefallen. Der Landwirt kann seinen Mais nun zu diesem Preis verkaufen und gleichzeitig seinen Short-Future zurückkaufen, wodurch er einen Gewinn von 2 € erzielt.
Anstatt lediglich 5 € pro Scheffel zu verdienen, beläuft sich sein Gesamterlös nun auf die ursprünglich gesicherten 7 €, die er drei Monate zuvor festgelegt hatte.
Wäre der Maispreis in diesem Zeitraum hingegen auf 10 € gestiegen, hätte der Landwirt seine Ernte zu diesem höheren Preis verkauft. Allerdings hätte der Terminkontrakt in diesem Fall einen Verlust von 3 € verursacht, sodass sein Gesamtgewinn weiterhin 7 € pro Scheffel betragen würde.
Dieses Beispiel zeigt, dass die Absicherung effektiv dabei hilft, potenzielle Verluste zu begrenzen. Gleichzeitig beschränkt sie jedoch auch die möglichen Gewinne, die ohne die Absicherung erzielt werden könnten.
3. Hedging mit Optionen
Ein Optionsvertrag gibt dem Inhaber das Recht, aber nicht die Verpflichtung, einen Vermögenswert zu einem bestimmten Verfallsdatum zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Es ist ein beliebtes Absicherungsinstrument, da der Kauf einer Option ein begrenztes Risiko darstellt. Es wird nur die Prämie gezahlt, die für die Eröffnung der Position anfällt.
Das bedeutet, dass Ihre Absicherung Ihren Gewinn nur um einen bestimmten Betrag schmälern kann, da Sie Ihre Position wertlos verfallen lassen können, wenn sich der Markt nicht wie erwartet entwickelt.
Hedging mit Optionen Beispiel
Angenommen, Sie halten eine Long-Position in Aktien der ABC Corp, erwarten jedoch einen kurzfristigen Kursrückgang. Anstatt Ihre Position zu verkaufen, möchten Sie mögliche Verluste absichern. Daher entscheiden Sie sich für den Kauf einer Verkaufsoption und zahlen dafür eine Prämie.
Fällt der Kurs der ABC-Aktien, generiert die Verkaufsoption einen Gewinn, der die Verluste aus Ihrer Aktienposition ausgleicht.
Steigt der Aktienkurs hingegen, könnte die Verkaufsoption wertlos verfallen. In diesem Fall hätten Sie lediglich die gezahlte Prämie verloren. Allerdings würde der Kursanstieg Ihrer Aktien diesen Verlust ausgleichen und weiterhin einen Gewinn ermöglichen.
Erfahren Sie mehr über den Handel mit Optionen
Nachteile des Hedgings
Der größte Nachteil des Hedgings sind die zusätzlichen Kosten, die über Ihre bestehende Position hinaus anfallen. Allerdings dient eine Absicherungsstrategie nicht dazu, Gewinne zu maximieren, sondern vielmehr dazu, das Risiko zu minimieren und potenzielle Verluste zu begrenzen.
Es ist auch wichtig, daran zu denken, dass die perfekte Absicherung extrem schwierig zu erreichen ist. Ihre Absicherung wird sich wahrscheinlich nicht genau mit Ihrem bestehenden Geschäft decken, sondern in Bezug auf Gewinn oder Verlust leicht darüber oder darunter liegen.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines ursprünglich auf Englisch verfassten Artikels, der am 14/08/2023 veröffentlicht wurde. Trotz sorgfältiger Übersetzung kann es zu geringfügigen Abweichungen vom Originaltext kommen.