Gold und Silber konsolidieren nach starken Rückgängen
- Gold und Silber konsolidieren nach deutlichen Kursverlusten
- DXY und Renditen von US-Staatsanleihen finden keine nachhaltige Richtung
- Die sich verengende Handelsspanne bei Gold deutet auf ein mögliches Dreieck oder Wimpelmuster hin
- Das mögliche aufsteigende Dreieck bei Silber liefert klar definierte Handelsmarken
Verglichen mit einigen der starken Marktbewegungen, die zuletzt in anderen Anlageklassen zu beobachten waren, zeigen sich Gold und Silber derzeit ungewöhnlich ruhig. Beide Edelmetalle bewegen sich nach ihren kräftigen Rückgängen in relativ engen Handelsspannen, ohne bislang eine nachhaltige Richtungsbewegung auszubilden.
Doch seitwärts tendierende Märkte bedeuten nicht, dass es keine Handelschancen gibt. Da sich bei beiden Metallen auf den Vier-Stunden-Charts potenzielle Dreiecksformationen herausbilden, liefern diese Strukturen eine Art Bauplan für mögliche Handelsansätze.
Was passiert unter der Oberfläche?
Eine mögliche Erklärung für die richtungslose Kursentwicklung ist die fehlende Dynamik bei zwei traditionellen Makrotreibern von Gold und Silber: dem US-Dollar und den Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen.

Quelle: LSEG
Betrachtet man die Korrelationen der vergangenen fünf, zehn und zwanzig Handelstage, haben sowohl Gold als auch Silber ihre negative Beziehung zum US-Dollar-Index (DXY) und zu den Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen beibehalten. Diese Beziehungen haben sich insbesondere in der vergangenen Woche deutlich verstärkt.
Wichtige Makrotreiber treten auf der Stelle
Ein Blick auf die Kursentwicklung von DXY und den Futures auf 10-jährige US-Staatsanleihen liefert weitere Hinweise darauf, warum Gold und Silber zuletzt keine klare Richtung gefunden haben.

Quelle: LSEG
Die Futures auf 10-jährige US-Staatsanleihen, links dargestellt, bewegen sich mittlerweile in einer relativ engen Handelsspanne, nachdem sie sich von den Tiefständen zu Monatsbeginn erholt haben.
Gleichzeitig hat sich der DXY zwar von seinen jüngsten Hochs entfernt, hält aber weiterhin die Unterstützung bei 101,50 Punkten. Rund um dieses Niveau waren in der vergangenen Woche wiederholt Käufer aktiv.
Damit ergibt sich eine Situation, in der zwei der wichtigsten makroökonomischen Einflussfaktoren für Gold und Silber ebenfalls keine klare Richtung vorgeben. Sollte die Volatilität bei den Edelmetallen deutlich zunehmen, könnte dies erst nach einem Ausbruch oder Einbruch in einem dieser beiden Märkte geschehen.
Die sich verengende Handelsspanne bei Gold eröffnet Trading-Chancen

Quelle: TradingView
Seit Anfang Oktober bewegt sich Gold innerhalb einer Handelsspanne zwischen dem Widerstand bei 4.225 US-Dollar und der Unterstützung bei 4.070 US-Dollar je Unze.
Zuletzt hat sich diese Spanne zunehmend verengt, was entweder mit einem symmetrischen Dreieck oder einem bärischen Wimpel vereinbar ist, abhängig von der jeweiligen Interpretation.
Derzeit reichen die Hinweise jedoch nicht aus, um eine dieser Formationen eindeutig zu bestätigen. Daher bleibt die Kursentwicklung innerhalb der enger werdenden Handelsspanne entscheidend für die Einschätzung des kurzfristigen Risikos.
In den vergangenen Tagen zeigte sich Kaufinteresse im Bereich von 4.106,30 US-Dollar, einschließlich der zuletzt abgeschlossenen Vier-Stunden-Kerze. Dies führte zu einer Erholung in Richtung des Widerstands bei 4.145 US-Dollar.
Darüber hinaus stellt der Bereich um 4.155 US-Dollar ein weiteres Niveau dar, an dem in beide Richtungen viel Handelsaktivität stattgefunden hat. Dadurch entsteht eine Widerstandszone, die weiterhin genau beobachtet werden sollte.
Dies ist die wichtigste kurzfristige Handelsspanne.
Gelingt Gold ein nachhaltiger Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 4.145 und 4.155 US-Dollar, könnten die Bullen einen Anstieg in Richtung 4.200 US-Dollar ins Visier nehmen. Dort trifft die Obergrenze der sich verengenden Formation auf ein Niveau, an dem der Preis in der vergangenen Woche mehrfach ins Stocken geraten ist.
Ein Ausbruch darüber könnte anschließend den Weg in Richtung 4.225 US-Dollar freimachen.
Sollte Gold dagegen an der Widerstandszone scheitern, könnte ein Short-Szenario in Betracht gezogen werden. Dabei würde sich ein enger Stop-Loss innerhalb oder oberhalb der Zone anbieten. Erstes Kursziel wäre die Unterstützung bei 4.106,30 US-Dollar.
Darunter verläuft aktuell die Untergrenze der Formation knapp oberhalb von 4.080 US-Dollar, gefolgt von der wichtigen Unterstützung bei 4.070 US-Dollar.
Auch der RSI (14) zeigt eine sich verengende Spanne mit fallenden Hochs und steigenden Tiefs. Obwohl der Indikator leicht unterhalb der neutralen Marke von 50 notiert, bleibt die Gesamteinschätzung neutral.
Dies wird durch den MACD bestätigt, der zwar jüngst ein bullisches Crossover erzeugt hat, sich jedoch weiterhin im negativen Bereich befindet.
Es deutet vieles darauf hin, dass sich eine größere Bewegung vorbereitet. Bis jedoch ein klarer Ausbruch oder Einbruch erfolgt, erscheint das Trading innerhalb der aktuellen Spanne mithilfe dieser Kursmarken der einfachere Ansatz.
Das mögliche aufsteigende Dreieck bei Silber nimmt Gestalt an

Quelle: TradingView
Im Vergleich zu Gold hat Silber im Oktober bislang schwächer abgeschnitten. Der Preis fiel vom Widerstand bei 62 US-Dollar auf zwischenzeitlich 55,40 US-Dollar je Unze und konnte sich erst in den vergangenen Tagen langsam erholen.
Wie Gold befindet sich auch Silber in einer Kompressionsphase. Allerdings ähnelt die Struktur eher einem potenziellen aufsteigenden Dreieck als einem symmetrischen Dreieck oder bärischen Wimpel. Dies spricht dafür, dass sich langfristig Aufwärtsrisiken entwickeln könnten.
Bis es soweit ist, sollte der Fokus jedoch weiterhin auf den Reaktionen des Preises an bekannten technischen Schlüsselmarken liegen.
Die wichtigste Widerstandsmarke auf der Oberseite liegt aktuell bei 58,50 US-Dollar. Dieses Niveau markierte das Tief der ersten Oktoberwoche und wurde später von unten getestet und bestätigt, wodurch es sich als bedeutende Widerstandszone etabliert hat.
Darüber liegt die Marke von 60 US-Dollar. Dort fand zuletzt auf beiden Seiten viel Handelsaktivität statt. Allerdings handelt es sich um ein unruhiges Niveau, da der Preis dieses häufig überschritt, bevor er wieder drehte. Dies sollte bei der Nutzung als Kursziel berücksichtigt werden.
Darüber folgen die Marken bei 61 und 62 US-Dollar.
Auf der Unterseite verzeichnete der Bereich um 57 US-Dollar zuletzt starke Handelsaktivität. In den vergangenen Tagen konnten dort wiederholt Käufe beobachtet werden.
Direkt darunter verläuft die Untergrenze des möglichen aufsteigenden Dreiecks. Daher bleibt 57 US-Dollar die zentrale Marke für den heutigen Handel.
Neben dem Niveau bei 56,40 US-Dollar, an dem am 20. Oktober Kaufinteresse aufkam, könnte ein Bruch dieser Unterstützungszone zu einem erneuten Test des jüngsten Swing-Tiefs bei 55,40 US-Dollar führen, das am 15. Oktober markiert wurde.
Die Oszillatoren liefern derzeit durchweg neutrale Signale, wodurch der Kursentwicklung selbst bei der Einschätzung kurzfristiger Risiken größere Bedeutung zukommt.
Die übergeordnete Botschaft bleibt jedoch klar: Das bärische Momentum, das zu Beginn des Oktobers dominierte, hat mittlerweile weitgehend nachgelassen.