Märkte sind ständig in Bewegung, aber die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Preisänderungen sind es, die für Händler sowohl Spannung als auch Risiko erzeugen. Werfen wir also einen Blick darauf, wie man Volatilität handelt und welche Märkte die höchsten Volatilitätsniveaus aufweisen.
- Was ist Marktvolatilität
- Ursachen der Marktvolatilität
- Wie wird Marktvolatilität gemessen?
- Wie handelt man mit Volatilität?
- Volatile Märkte
- Strategien für den Volatilitätshandel
Was ist Marktvolatilität
Marktvolatilität bezeichnet die Geschwindigkeit, mit der sich der Preis eines Vermögenswerts über einen bestimmten Zeitraum hinweg erhöht oder verringert. Sie beschreibt kurzfristige, schnelle Preisbewegungen. Während die meisten Finanzmärkte innerhalb eines Tages Preisschwankungen erleben, wird Volatilität durch die Geschwindigkeit und das Ausmaß dieser Veränderungen definiert.
Volatilität wird oft als Indikator für das Angstniveau auf dem Markt angesehen. In Zeiten der Unsicherheit können Preisbewegungen unvorhersehbar und sprunghaft werden, da selbst kleinste Nachrichten erhebliche Kursausschläge auslösen können.
Ursachen der Marktvolatilität
Volatilität entsteht durch zunehmende Unsicherheit – sei es auf dem gesamten Markt, innerhalb einer bestimmten Anlageklasse oder bei einer einzelnen Aktie. Verschiedene Faktoren können zu Marktschwankungen führen:
- Politische Entscheidungen:Regierungsmaßnahmen, Handelsabkommen oder neue Gesetze können starke Marktreaktionen auslösen. Ein extremes Beispiel ist die Invasion Russlands in die Ukraine, die aufgrund von Versorgungsängsten die Rohstoffpreise in die Höhe trieb und weltweite Schockwellen an den Märkten verursachte.
- Wirtschaftsdaten: Positive Wirtschaftsentwicklungen führen in der Regel zu stabilen oder steigenden Märkten. Bleiben jedoch Kennzahlen wie Arbeitsmarktdaten, Inflation, Konsumausgaben oder das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hinter den Erwartungen zurück, kann dies zu erhöhter Volatilität führen.
- Branchenspezifische Ereignisse: Bestimmte Industrien sind besonders anfällig für externe Faktoren wie Wetterextreme, Streiks oder Störungen in der Lieferkette. Ein Beispiel ist der weltweite Chipmangel, der zu starken Kursschwankungen bei Halbleiter- und Automobilherstellern führte.
- Unternehmensnachrichten: Geschäftsentscheidungen, Gewinnberichte oder sogar Marktgerüchte können erhebliche Kursbewegungen verursachen. Besonders große Schwankungen treten auf, wenn eine Ankündigung unerwartet ausfällt und den Markt überrascht./li>
Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor für Volatilität ist die Liquidität. In Märkten mit hoher Liquidität, in denen viele Käufer und Verkäufer aktiv sind, führen einzelne Transaktionen nur selten zu starken Kursbewegungen. Bei geringer Liquidität hingegen können bereits wenige Handelsaufträge erhebliche Preisschwankungen auslösen, was die Volatilität deutlich erhöht.
Wie wird Marktvolatilität gemessen?
Die Marktvolatilität wird mithilfe der Standardabweichung gemessen. Diese Kennzahl betrachtet die annualisierten Renditen eines Marktes über einen bestimmten Zeitraum und vergleicht sie mit dem aktuellen Marktpreis, um Abweichungen zu erkennen.
Am häufigsten wird Volatilität mit Bollinger-Bändern analysiert. Dieser technische Indikator besteht aus einem einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA) sowie zwei Bändern, die jeweils eine Standardabweichung über und unter dem SMA liegen. Bollinger-Bänder helfen Händlern, eine geglättete Version der Preisentwicklung eines Vermögenswerts zu sehen.
Die Höhe der Volatilität wird durch den Abstand zwischen den Bändern gemessen. Je weiter sie vom SMA entfernt sind, desto volatiler war der Markt in diesem Zeitraum. In Zeiten niedriger Volatilität erscheinen die Bollinger-Bänder enger beieinander.
Wie handelt man mit Volatilität?
Daytrader bevorzugen oft volatile Märkte, da starke Preisschwankungen mehr Möglichkeiten für kurzfristige Spekulationen bieten. Je größer die Kursbewegungen, desto höher die potenziellen Gewinne in kurzer Zeit. Allerdings steigt gleichzeitig auch das Risiko, da sich der Markt ebenso schnell in die entgegengesetzte Richtung entwickeln kann.
Daher ist es entscheidend, die eigene Risikotoleranz zu kennen, bevor in hochvolatile Märkte investiert wird. Wer sich in unsicheren Marktsituationen unwohl fühlt, sollte vorsichtig sein, da schnelle Kursbewegungen zu unerwarteten Verlusten führen können. Mit einer gut durchdachten Handelsstrategie lässt sich jedoch das Potenzial der Volatilität gezielt nutzen, um von Marktschwankungen zu profitieren.
Es ist möglich direkt mit hochvolatilen Märkten zu handeln oder spezielle Volatilitätsprodukte, wie den VIX, zu traden, die den Grad der Marktunsicherheit widerspiegeln.
Volatile Märkte
Volatilität ist relativ. Preisänderungen, die für eine Anlageklasse extrem volatil erscheinen, können für eine andere als relativ stabil gelten. Generell gehören die folgenden Märkte zu den volatilsten:
- Kryptowährungen
- Rohstoffe
- Exotische Währungspaare
- Hochvolatile Aktien
Kryptowährungen
Kryptowährungen gelten oft als der volatilste Markt. Zu den volatilsten Kryptowährungen gehören Stellar, Ripple, Ethereum und Bitcoin. Allein in den ersten zwei Wochen des März 2022 verlor Bitcoin 40 % seines Wertes.
Die Volatilität des Kryptomarktes wird größtenteils von Nachrichten und den Meinungen von Influencern in der Krypto-Branche, wie Elon Musk, beeinflusst. Der Kryptomarkt ist bekannt für seine unvorhersehbare Natur – für einige Händler macht ihn das spannend, für andere jedoch abschreckend.
Rohstoffe
Rohstoffe sind in der Regel volatiler als Währungs- und Aktienmärkte. Das liegt an der geringeren Liquidität oder dem niedrigeren Handelsvolumen im Vergleich zu anderen Anlageklassen sowie an der ständigen Abhängigkeit von Wetterereignissen und anderen Produktionsproblemen, die Angebot und Nachfrage beeinflussen können.
Wie wir in letzter Zeit gesehen haben, sind Rohstoffe auch extrem anfällig für Volatilität im Zusammenhang mit geopolitischen Ereignissen. Das liegt daran, dass Rohstoffreserven oft auf bestimmte Regionen beschränkt sind. Russlands Position als einer der größten Exporteure von Öl, Erdgas und Basismetallen führte dazu, dass die Rohstoffpreise nach der russischen Invasion in die Ukraine dramatisch anstiegen.
Energierohstoffe sind typischerweise die volatilsten, während Agrarrohstoffe tendenziell weniger drastische Preisschwankungen aufweisen.
Die volatilsten Rohstoffe
| Rohstoff | % Spanne (Februar 2025) |
| US-Rohöl | 8,20 % |
| Gasöl | 7,10 % |
| UK-Rohöl | 6,50 % |
| CO₂-Emissionsrechte | 4,20 % |
| Erdgas | 2,80 % |
| Kaffee | 1,50 % |
| Mais | 1,30 % |
| Sojabohnen | 1,10 % |
| Baumwolle | 0,90 % |
| Weizen (London) | 0,70 % |
Tab 1: Volatile Rohstoffe / Quelle: Marketscreener
Exotische Währungspaare
Der Devisenmarkt (forex market) wird oft als volatil bezeichnet. Obwohl sich Währungskurse extrem schnell ändern, zeigen sie nicht immer die sprunghaften Preisbewegungen, die typischerweise mit Volatilität in Verbindung gebracht werden. Das liegt daran, dass der Devisenmarkt der liquideste Markt ist, wodurch Preisänderungen in kleineren Schritten erfolgen, da viele Händler ständig bereit sind zu kaufen und zu verkaufen.
Die meisten Hauptwährungen handeln innerhalb eines Tages nur in einer Spanne von wenigen Prozent. Doch exotische Währungspaare haben eine geringere Liquidität, was bedeutet, dass die Differenz zwischen Tageshöchst- und Tages Tiefstpreisen größer ist.
Die volatilsten Währungspaare
| Währungspaar | Typ | Volatilität (Februar 2025) |
| USD/RUB | Exotisch | 2,95 % |
| EUR/TRY | Exotisch | 2,65 % |
| EUR/RUB | Exotisch | 2,40 % |
| GBP/TRY | Exotisch | 1,90 % |
| TRY/JPY | Exotisch | 1,75 % |
| AUD/JPY | Cross | 0,95 % |
| GBP/JPY | Cross | 0,88 % |
| EUR/AUD | Cross | 0,85 % |
| CAD/JPY | Cross | 0,82 % |
| AUD/GBP | Cross | 0,78 % |
| AUD/USD | Haupt | 1,05 % |
| NZD/USD | Haupt | 0,98 % |
| GBP/USD | Haupt | 0,90 % |
| USD/JPY | Haupt | 0,72 % |
| EUR/USD | Haupt | 0,70 % |
Tab 2: Volatile Währungspaare / Quelle: Marketscreener
Die höchste Volatilität im Devisenmarkt tritt bei wichtigen Datenveröffentlichungen auf, etwa bei Zinssatzentscheidungen, Einzelhandelsumsätzen, Inflation, Beschäftigungszahlen und Industrieproduktion.
Hochvolatile Aktien
Für die meisten Investoren spielt Volatilität bei der Auswahl von Aktien keine große Rolle. Kurzfristige Marktschwankungen sind für jemanden, der Aktien jahrelang hält, wenig von Bedeutung. Für kurzfristige Händler – wie Swing-Trader und Daytrader – ist Volatilität jedoch ein entscheidendes Kriterium für eine gute Handelsstrategie.
Die meisten Aktien weisen um zum Zeitpunkt von wichtigen Ereignisses – wie Quartalsberichte eine gewisse Volatilität auf, bleiben aber im Vergleich zu Kryptowährungen oder Währungen relativ stabil. Blue-Chip-Aktien und wirtschaftliche Leitwerte sind in der Regel weniger volatil, während spekulative oder „trendende“ Aktien größere tägliche Kursschwankungen erleben. Beispiele hierfür sind Meme-Aktien wie GameStop und AMC.
Die meisten Händler nutzen die Beta-Kennzahl, um volatile Aktien zu identifizieren. Diese misst, wie eine Aktie im Vergleich zu einem Benchmark – normalerweise dem S&P 500, der ein Beta von 1,0 hat – schwankt. Aktien mit einem Beta über 1,0 sind volatiler als der Marktdurchschnitt. Allerdings ist Beta ein nachlaufender Indikator, da er auf historischen Daten basiert.
Die volatilsten Aktien (Stand: Februar 2025)
- Nvidia
- Caesars Entertainment
- Generac Holdings
- On Semiconductor
- Carnival
- Monolithic Power Systems
- Align Technology
- AMD
- Zebra Technologies
- Tesla
Vergleicht man die Kursbewegungen dieser Unternehmen mit Blue-Chip-Aktien (z. B. Alphabet, Apple, Microsoft) oder wirtschaftlichen Leitwerten (z. B. Barclays, Vodafone, GlaxoSmithKline), zeigt sich, dass Hoch-Beta-Aktien viel stärkere Kursschwankungen aufweisen.
Die volatilsten Aktien (Stand: Februar 2025)
| Unternehmen | Volatilität (Februar 2025) |
| Nvidia | 4,2 % |
| Caesars Entertainment | 3,8 % |
| Generac Holdings | 3,6 % |
| On Semiconductor | 3,5 % |
| Carnival | 3,4 % |
| Monolithic Power Systems | 3,2 % |
| Align Technology | 3,1 % |
| AMD | 3,0 % |
| Zebra Technologies | 2,9 % |
| Tesla | 2,7 % |
Tab 3: Volatile Aktien / Quelle: Marketscreener
Strategien für den Volatilitätshandel
1. Handel mit dem VIX
Der CBOE Volatility Index (VIX), auch als Angstindex bezeichnet, zeigt in Echtzeit die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 an. Er dient als Maß für die von Händlern prognostizierte Volatilität und wird genutzt, um entsprechende Handelsentscheidungen zu treffen.
Der VIX wird in Prozent ausgedrückt und schwankt ähnlich wie andere Oszillatoren.
- Werte unter 12 deuten auf eine niedrige Volatilität hin.
- Werte zwischen 12 und 20 gelten als normale Volatilitätsniveaus.
- Werte über 20 signalisieren hohe Volatilität.
Eine Position auf den VIX kann direkte Marktstimmungsexposition bieten und Einblicke in wichtige Wendepunkte im Markt geben.
- Hoher VIX: Ein Zeichen für mögliche starke Marktbewegungen.
- Niedriger VIX: Wird oft als bullishes Signal interpretiert.
2. Nachrichtenhandel (News Trading)
Eine weitere gängige Strategie im Volatilitätshandel besteht darin, Marktbewegungen auszunutzen, die durch bedeutende Nachrichtenveröffentlichungen ausgelöst werden. Gerade in diesen Momenten treten oft die stärksten Kursschwankungen auf.
Nachrichtenhändler versuchen in der Regel, die Auswirkungen wirtschaftlicher Ankündigungen wie Zinsentscheidungen, BIP-Daten oder die US-Arbeitsmarktzahlen (NFP) im Voraus einzuschätzen und ihre Positionen entsprechend anzupassen.
Allerdings sind viele erwartete Ereignisse bereits im Markt eingepreist, sodass nicht immer sofort nach der Veröffentlichung starke Bewegungen folgen. Daher warten einige Trader zunächst auf die tatsächlichen Zahlen und handeln erst auf Basis der Marktreaktion.
Risiko beachten: Märkte bewegen sich nach einer Nachricht oft in unerwartete Richtungen!
3. Optionshandel
Optionshandel ist eine beliebte Strategie für volatile Märkte, da verschiedene Optionsstrategien es ermöglichen, unabhängig von der Marktrichtung zu profitieren.
- Der Kauf einer Call- und einer Put-Option gleichzeitig (Straddle-Strategie) kann dazu führen, dass man gewinnt, solange sich der Markt stark in eine Richtung bewegt – unabhängig davon, ob es nach oben oder unten geht.
Optionshandel ist komplex und wird oft von erfahrenen Händlern bevorzugt. Für Anfänger ist diese Strategie möglicherweise nicht ideal.
Märkte mit der geringsten Volatilität
Alle Märkte weisen in gewissem Maße Volatilität auf, doch einige Märkte sind weniger schwankungsanfällig:
Anlageklassen mit geringer Volatilität:
- Anleihen (Bonds)
- T-Bills
- Bargeld oder Sparanlagen
Sichere Häfen:
- Gold und Silber gelten oft als Absicherung gegen Marktinstabilität, können als Rohstoffe jedoch ebenfalls Preisschwankungen unterliegen.
Wichtiger Hinweis: Die Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Marktbewegungen – stets den Kontext der aktuellen Marktlage beachten!
Handel mit Hebelprodukten in volatilen Märkten
Beim Handel mit gehebelten Produkten steigt das Gewinn- und Verlustpotenzial erheblich.
Beispiel:
- Eine ungehebelte Position auf Apple führt zu einem $1 Gewinn oder Verlust pro Punkt der Marktbewegung.
- Eine gehebelte Position mit einem Verhältnis von 10:1 würde jedoch bedeuten, dass dieselbe Bewegung $10 Gewinn oder Verlust ergibt.
In Zeiten hoher Volatilität kann der Markt schnelle, starke Bewegungen machen – sowohl zugunsten als auch gegen dich. Deshalb sind Take-Profit-Orders und Stop-Losses unerlässlich.
Diese ermöglichen es dir, vordefinierte Exit-Level festzulegen, sodass Positionen automatisch geschlossen werden, sobald ein bestimmter Gewinn oder Verlust erreicht ist.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines ursprünglich auf Englisch verfassten Artikels, der am 19/02/2021 veröffentlicht wurde. Trotz sorgfältiger Übersetzung kann es zu geringfügigen Abweichungen vom Originaltext kommen.